- Ein Exposé ist der Projektplan Ihrer Abschlussarbeit: Es zeigt, was Sie untersuchen, warum und wie.
- Typische Bausteine: Problemstellung, Forschungsstand, Forschungsfrage und Ziel, Methodik, vorläufige Gliederung, Zeitplan und Literatur.
- Umfang als Orientierung: 1 bis 5 Seiten (Bachelor), 5 bis 10 Seiten (Master), 10 bis 20 Seiten (Dissertation).
- Ein gutes Exposé spart später Wochen – weil Thema, Frage und Methode schon vor dem Schreiben zusammenpassen.
Was ist ein Exposé – und wofür brauchen Sie es?
Das Exposé ist eine kurze, strukturierte Beschreibung Ihres geplanten Forschungsvorhabens. Es entsteht bevor Sie mit der eigentlichen Arbeit beginnen und dient mehreren Zwecken:
- Für Ihre Betreuung: Sie entscheidet anhand des Exposés, ob das Thema machbar ist und ob sie es betreuen möchte.
- Für Sie selbst: Beim Schreiben merken Sie, ob Ihre Idee trägt – und wo noch Lücken sind.
- Für Bewerbungen: Bei Promotionsstellen und Stipendien ist das Exposé oft das wichtigste Dokument.
Nicht jede Hochschule verlangt für Bachelorarbeiten ein Exposé. Schreiben Sie trotzdem eine Kurzfassung: Ein bis zwei Seiten genügen, um das Thema mit der Betreuung abzustimmen und Missverständnisse früh auszuräumen.
Aufbau eines Exposés
Die genauen Vorgaben unterscheiden sich je nach Fach und Lehrstuhl. Die folgende Struktur passt aber für die meisten Abschlussarbeiten. Die letzte Spalte zeigt den ungefähren Anteil am Umfang des Exposés in Prozent.
| Baustein | Leitfrage | ca. % |
|---|---|---|
| 1. Arbeitstitel | Worum geht es – in einem Satz? | – |
| 2. Problemstellung und Relevanz | Warum ist das Thema wichtig? | 15 |
| 3. Forschungsstand | Was ist bereits bekannt, wo ist die Lücke? | 20 |
| 4. Forschungsfrage und Zielsetzung | Was genau wollen Sie herausfinden? | 10 |
| 5. Theoretischer Rahmen | Auf welche Theorien oder Modelle stützen Sie sich? | 10 |
| 6. Methodik | Wie beantworten Sie die Frage? | 20 |
| 7. Vorläufige Gliederung | Wie wird die Arbeit aufgebaut? | 10 |
| 8. Zeitplan | Wann erledigen Sie was? | 5 |
| 9. Literaturverzeichnis | Welche Quellen sind zentral? | 10 |
Die Bausteine im Detail
1. Arbeitstitel
Der Titel ist vorläufig und darf sich noch ändern. Er sollte aber bereits Gegenstand, Aspekt und Eingrenzung enthalten. Bewährt hat sich die Kombination aus Titel und Untertitel:
Thema: Untersuchungsaspekt am Beispiel / bei Zielgruppe / im Zeitraum
2. Problemstellung und Relevanz
Beschreiben Sie, welches Problem oder welche Entwicklung Ihr Thema aufgreift – und für wen es relevant ist: für die Wissenschaft, für die Praxis oder für beide. Belegen Sie die Relevanz mit Zahlen, Studien oder aktuellen Entwicklungen statt mit allgemeinen Aussagen wie „Das Thema wird immer wichtiger“.
3. Forschungsstand
Hier zeigen Sie, dass Sie die wichtigste Literatur kennen. Es geht nicht um eine vollständige Übersicht, sondern um die Linie: Was ist gut erforscht? Wo widersprechen sich Studien? Was fehlt noch? Aus dieser Forschungslücke leitet sich Ihre Frage ab.
4. Forschungsfrage und Zielsetzung
Die Forschungsfrage ist das Herzstück des Exposés. Sie sollte präzise, eingegrenzt und mit Ihrer Methode beantwortbar sein. Ergänzend formulieren Sie das Ziel der Arbeit und – bei quantitativen Arbeiten – Ihre Hypothesen. Ausführliche Tipps finden Sie in unserem Artikel Forschungsfrage formulieren.
5. Theoretischer Rahmen
Nennen Sie die Theorien, Modelle oder zentralen Begriffe, auf die Sie sich stützen, und begründen Sie kurz, warum sie zu Ihrer Frage passen. In Masterarbeiten und Dissertationen erwarten Prüfende hier deutlich mehr Tiefe als in Bachelorarbeiten.
6. Methodik
Beschreiben Sie Ihr Vorgehen so konkret wie möglich:
- Forschungsdesign: qualitativ, quantitativ, Literaturarbeit oder Mixed Methods
- Datenerhebung: Fragebogen, Interviews, Experiment, Dokumentenanalyse
- Stichprobe: Wen untersuchen Sie, wie erreichen Sie die Personen, wie viele planen Sie ein?
- Auswertung: statistische Verfahren oder qualitative Analysemethode
Unsicher, welche Methode passt? Unser Artikel Qualitative oder quantitative Methode hilft bei der Entscheidung.
7. Vorläufige Gliederung
Eine Gliederung mit zwei Ebenen genügt. Sie zeigt, dass Sie den Aufbau der Arbeit durchdacht haben. Muster für empirische Arbeiten und Literaturarbeiten finden Sie im Artikel Gliederung der Bachelorarbeit.
8. Zeitplan
Planen Sie realistisch und mit Puffer. Ein Zeitplan in Wochen oder Monaten mit klaren Meilensteinen überzeugt mehr als eine grobe Schätzung.
9. Literaturverzeichnis
Führen Sie die zentralen Quellen auf, die Sie im Exposé zitieren, und ergänzen Sie gegebenenfalls weitere wichtige Werke. Für eine Bachelorarbeit sind 10 bis 15 Quellen im Exposé üblich, für eine Dissertation deutlich mehr. Verwenden Sie bereits jetzt die Zitierweise, die Sie auch in der Arbeit nutzen.
Beispiel: Exposé in Kurzform
Das Beispiel greift das Thema auf, das wir auch in den Artikeln zu Einleitung und Fazit verwenden.
Arbeitstitel: Hybride Arbeit und Arbeitszufriedenheit: Eine empirische Untersuchung in mittelständischen IT-Unternehmen
Problemstellung: Seit 2020 haben viele Unternehmen hybride Arbeitsmodelle eingeführt. Während Großunternehmen gut untersucht sind, liegen für den Mittelstand kaum Befunde vor, obwohl dort ein Großteil der IT-Beschäftigten arbeitet.
Forschungsfrage: Welche Faktoren hybrider Arbeit beeinflussen die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in mittelständischen IT-Unternehmen?
Methodik: Quantitative Online-Befragung von rund 150 Beschäftigten mit etablierten Skalen zu Autonomie, digitaler Kommunikation und Arbeitszufriedenheit; Auswertung mittels multipler Regression.
Zeitplan (Beispiel für 12 Wochen)
| Woche | Arbeitsschritt | Meilenstein |
|---|---|---|
| 1–2 | Literaturrecherche, Theorieteil beginnen | Literaturliste steht |
| 3–4 | Fragebogen entwickeln, Pretest | Fragebogen final |
| 5–6 | Datenerhebung, parallel Theorieteil schreiben | 150 Fragebögen |
| 7–8 | Datenauswertung, Ergebnisteil | Ergebnisse stehen |
| 9–10 | Diskussion, Einleitung und Fazit | Rohfassung komplett |
| 11 | Überarbeitung, Lektorat | Endfassung |
| 12 | Formatierung, Druck, Puffer | Abgabe |
Wie lang ist ein Exposé?
| Arbeit | Übliche Länge |
|---|---|
| Bachelorarbeit | 1 bis 5 Seiten |
| Masterarbeit | 5 bis 10 Seiten |
| Dissertation | 10 bis 20 Seiten, bei Stipendien teils mehr |
Maßgeblich sind immer die Vorgaben Ihres Instituts. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Betreuung nach.
Besonderheiten beim Exposé für die Dissertation
Bei einer Promotion ist das Exposé oft Teil der Bewerbung bei Doktormutter oder Doktorvater, beim Graduiertenkolleg oder bei einer Stiftung. Es muss deshalb mehr leisten:
- Eigenständiger Forschungsbeitrag: Machen Sie deutlich, was Ihre Arbeit Neues zum Forschungsstand beiträgt.
- Ausführlicher Forschungsstand mit internationaler Literatur.
- Detaillierte Methodik inklusive Feldzugang, Datenschutz und ggf. Ethikvotum.
- Zeitplan über zwei bis vier Jahre, oft ergänzt um geplante Publikationen und Konferenzen.
- Bei Stipendien: Finanzierungsplan und Bezug zum Profil der Stiftung.
Häufige Fehler
- Thema zu breit: „Digitalisierung im Mittelstand“ ist ein Forschungsfeld, kein Thema für eine Abschlussarbeit.
- Frage und Methode passen nicht zusammen: Eine „Wie erleben …“-Frage lässt sich kaum mit einem standardisierten Fragebogen beantworten.
- Forschungsstand als Literaturliste: Statt Quellen aufzuzählen, sollten Sie zeigen, wie sie zusammenhängen und wo die Lücke liegt.
- Unrealistischer Zeitplan: Datenerhebung und Überarbeitung dauern fast immer länger als gedacht.
- Machbarkeit nicht geprüft: Klären Sie vorab, ob Sie Zugang zu Daten, Unternehmen oder Interviewpartnern haben.
Checkliste
- Der Arbeitstitel nennt Gegenstand, Aspekt und Eingrenzung.
- Problemstellung und Relevanz sind mit Quellen belegt.
- Der Forschungsstand zeigt eine klare Forschungslücke.
- Die Forschungsfrage ist präzise und beantwortbar.
- Methode, Stichprobe und Auswertung sind konkret beschrieben.
- Eine vorläufige Gliederung mit zwei Ebenen liegt vor.
- Der Zeitplan enthält Meilensteine und Puffer.
- Zitierweise und Literaturverzeichnis sind einheitlich.
- Die Vorgaben des Instituts zu Umfang und Aufbau sind eingehalten.
Häufige Fragen
Ist das Exposé verbindlich?
In der Regel nicht im Detail. Titel, Gliederung und Zeitplan dürfen sich im Verlauf ändern. Größere Änderungen an Forschungsfrage oder Methode sollten Sie aber mit Ihrer Betreuung absprechen.
Wird das Exposé benotet?
Meist nicht. An manchen Hochschulen ist es jedoch Voraussetzung für die Anmeldung der Arbeit oder fließt in ein Kolloquium ein.
Wie lange brauche ich für ein Exposé?
Für eine Bachelorarbeit sollten Sie ein bis zwei Wochen einplanen, für eine Masterarbeit zwei bis vier Wochen. Bei einer Dissertation kann die Arbeit am Exposé mehrere Monate dauern.