- Die Einleitung führt in das Thema ein, begründet seine Relevanz, nennt Ziel und Forschungsfrage und gibt einen Überblick über den Aufbau.
- Sie umfasst etwa 10 % des Textteils – bei 40 Seiten also rund vier Seiten.
- Schreiben Sie zuerst eine Rohfassung, aber überarbeiten Sie die Einleitung ganz zum Schluss, damit sie zum fertigen Text passt.
- Einleitung und Fazit bilden eine Klammer: Was Sie in der Einleitung versprechen, muss das Fazit einlösen.
Welche Aufgabe hat die Einleitung?
Die Einleitung ist das Kapitel, das Ihre Prüfenden am aufmerksamsten lesen. Auf wenigen Seiten muss sie drei Fragen beantworten: Worum geht es? Warum ist das wichtig? Was genau will diese Arbeit herausfinden – und wie?
Gelingt das, lesen Prüfende den Rest der Arbeit mit einer klaren Erwartung und einem positiven Eindruck. Bleibt die Einleitung vage, suchen sie über viele Seiten nach dem Ziel der Arbeit – und das schlägt sich häufig in der Bewertung nieder.
Aufbau der Einleitung in 5 Bausteinen
Die meisten gelungenen Einleitungen folgen einem ähnlichen Muster. Ob Sie die Bausteine als Unterkapitel (1.1, 1.2, 1.3) oder als Fließtext anlegen, hängt von den Vorgaben Ihres Instituts ab.
| Baustein | Inhalt | Umfang |
|---|---|---|
| 1. Einstieg | Hinführung zum Thema, z. B. aktuelle Entwicklung, Zahl oder Problem | ein Absatz |
| 2. Problemstellung und Relevanz | Was ist ungeklärt? Warum lohnt sich die Untersuchung – wissenschaftlich und praktisch? | ca. 1 Seite |
| 3. Zielsetzung und Forschungsfrage | Was will die Arbeit leisten? Wie lautet die zentrale Frage? | ca. ½ Seite |
| 4. Vorgehen und Methode | Wie wird die Frage beantwortet? Ggf. Abgrenzung: Was wird bewusst nicht behandelt? | ca. ½ Seite |
| 5. Aufbau der Arbeit | Kurzer Überblick über die folgenden Kapitel | ein Absatz |
Die Bausteine im Detail – mit Formulierungshilfen
1. Der Einstieg
Der erste Absatz soll Interesse wecken und zum Thema hinführen. Bewährt haben sich:
- eine aktuelle Entwicklung: „Seit der Einführung des Bürgergelds im Jahr 2023 …“
- eine belegte Zahl: „Laut Statistischem Bundesamt arbeitete im Jahr … rund ein Viertel der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice.“ (immer mit Quelle)
- ein Problem aus der Praxis: „Viele Pflegeeinrichtungen stehen vor der Herausforderung, …“
Vermeiden Sie Allgemeinplätze wie „Schon immer haben Menschen …“ oder „In der heutigen Zeit spielt X eine immer größere Rolle“. Sie sagen nichts aus und wirken unwissenschaftlich.
2. Problemstellung und Relevanz
Hier zeigen Sie, dass es eine Lücke gibt – im Wissen, in der Praxis oder in beidem. Nennen Sie, was die Forschung bereits weiß, und machen Sie deutlich, was noch fehlt.
- „Während zahlreiche Studien … untersuchen, ist bislang wenig darüber bekannt, wie …“
- „Für die Praxis ist diese Frage relevant, weil …“
- „Bisherige Untersuchungen beschränken sich überwiegend auf …, sodass … unberücksichtigt bleibt.“
3. Zielsetzung und Forschungsfrage
Dieser Teil ist der wichtigste der ganzen Einleitung. Formulieren Sie das Ziel klar und heben Sie die Forschungsfrage hervor – etwa als eigenen, eingerückten Satz oder kursiv. Wie Sie eine gute Frage entwickeln, zeigt unser Artikel Forschungsfrage formulieren.
- „Ziel dieser Arbeit ist es, … zu untersuchen und daraus Handlungsempfehlungen für … abzuleiten.“
- „Daraus ergibt sich folgende Forschungsfrage: …“
4. Vorgehen und Methode
Skizzieren Sie in wenigen Sätzen, wie Sie die Frage beantworten. Details gehören ins Methodenkapitel. Sinnvoll ist hier auch eine Abgrenzung: Was behandelt die Arbeit bewusst nicht?
- „Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden … leitfadengestützte Interviews mit … geführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.“
- „Nicht Gegenstand dieser Arbeit sind …, da …“
5. Aufbau der Arbeit
Ein kurzer Überblick erleichtert die Orientierung. Bleiben Sie knapp und beschreiben Sie die Funktion der Kapitel, nicht nur ihre Überschriften:
- „Kapitel 2 erläutert die theoretischen Grundlagen und den aktuellen Forschungsstand. Darauf aufbauend beschreibt Kapitel 3 das methodische Vorgehen …“
Passt Ihre Gliederung noch nicht? Unser Artikel zur Gliederung der Bachelorarbeit hilft weiter.
Beispiel einer Einleitung (gekürzt)
Das folgende Beispiel zeigt, wie die Bausteine zusammenspielen. Thema: Arbeitszufriedenheit im Homeoffice.
Einstieg: Spätestens seit der Corona-Pandemie gehört das Arbeiten von zu Hause für viele Beschäftigte zum Alltag. Zahlreiche Unternehmen haben flexible Arbeitsmodelle inzwischen dauerhaft eingeführt.
Problemstellung: Während die Auswirkungen auf die Produktivität vielfach untersucht wurden, ist bislang wenig darüber bekannt, wie sich hybride Arbeitsmodelle auf die Arbeitszufriedenheit in mittelständischen Unternehmen auswirken. Gerade dort fehlen häufig die Ressourcen großer Konzerne, um hybride Arbeit systematisch zu gestalten.
Ziel und Frage: Ziel dieser Arbeit ist es, Einflussfaktoren auf die Arbeitszufriedenheit im hybriden Arbeiten zu identifizieren. Daraus ergibt sich die Forschungsfrage: Welche Faktoren beeinflussen die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in hybriden Arbeitsmodellen mittelständischer IT-Unternehmen?
Vorgehen: Hierzu wurde eine Online-Befragung unter 150 Beschäftigten durchgeführt und mittels multipler Regression ausgewertet. Führungskräfte werden in dieser Arbeit nicht gesondert betrachtet.
Aufbau: Kapitel 2 stellt die theoretischen Grundlagen vor. Kapitel 3 beschreibt das methodische Vorgehen, Kapitel 4 die Ergebnisse. In Kapitel 5 werden diese diskutiert, bevor Kapitel 6 die Arbeit mit einem Fazit abschließt.
Wie die im Beispiel genannte Auswertung funktioniert, erklärt unser Artikel zur Regressionsanalyse in SPSS.
Wann schreibe ich die Einleitung?
Am besten zweimal. Eine erste Fassung zu Beginn hilft Ihnen, Ziel und Frage klar zu fassen – sie ist Ihr Kompass beim Schreiben. Die endgültige Fassung entsteht ganz am Ende: Erst dann wissen Sie genau, was Ihre Arbeit tatsächlich leistet, und können Einleitung und roten Faden passgenau aufeinander abstimmen.
Häufige Fehler
- Zu lang: Theorie, Definitionen und Forschungsstand gehören ins zweite Kapitel, nicht in die Einleitung.
- Forschungsfrage versteckt: Sie steht irgendwo im Fließtext und ist kaum zu finden.
- Ergebnisse vorweggenommen: Die Einleitung kündigt an, das Fazit beantwortet. Zentrale Ergebnisse gehören ins Abstract, nicht in die Einleitung.
- Relevanz nur behauptet: „Das Thema ist sehr wichtig“ überzeugt nicht – belegen Sie die Relevanz mit Quellen.
- Ich-Form oder nicht? Klären Sie, ob Ihr Fach die Ich-Form akzeptiert. Wenn nicht, nutzen Sie Formulierungen wie „Die vorliegende Arbeit untersucht …“.
- Keine Verbindung zum Fazit: Ziel und Frage aus der Einleitung werden am Ende nicht wieder aufgegriffen.
Checkliste
- Der Einstieg führt konkret zum Thema hin – ohne Allgemeinplätze.
- Problemstellung und Relevanz sind mit Quellen belegt.
- Ziel und Forschungsfrage sind klar formuliert und optisch hervorgehoben.
- Das Vorgehen ist knapp skizziert, Abgrenzungen sind benannt.
- Der Aufbau der Arbeit wird in wenigen Sätzen beschrieben.
- Die Einleitung umfasst etwa 10 % des Textteils.
- Das Fazit greift Ziel und Forschungsfrage aus der Einleitung wieder auf.
Häufige Fragen
Wie lang sollte die Einleitung einer Bachelorarbeit sein?
Als Faustregel etwa 10 % des Textteils, also bei 40 Seiten rund drei bis vier Seiten. Bei Masterarbeiten kann sie etwas ausführlicher ausfallen.
Darf ich in der Einleitung zitieren?
Ja, gerade bei Problemstellung und Relevanz sind Quellen sogar wichtig. Längere wörtliche Zitate sollten Sie in der Einleitung aber vermeiden.
Was ist der Unterschied zwischen Einleitung und Abstract?
Das Abstract fasst die gesamte Arbeit inklusive Ergebnissen auf etwa 150 bis 250 Wörtern zusammen. Die Einleitung führt in die Arbeit ein und nennt die Ergebnisse noch nicht.